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Bericht des Treuchtlinger Kurier vom 14.11.2014:
(mit freundlicher Genehmigung)

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Fünffaches Geläute ab 2015 – eine glückliche Fügung!

 

Die Glocken der Marienkirche

(Auszug aus dem Gutachten des Glockensachverständigen Thomas Winkelbauer, Eichstätt - 2006)
 

Als 1933/34 die neue Marienkirche der Pfarrei errichtet wurde stattete man den Glockenturm mit einem ansehnlichen fünfstimmigen Geläute aus. Die Disposition lautete c' (Marienglocke; 2.100 kg; 1.540 mm), d' (Josefsglocke; 1.500 kg; 1.380 mm), f' (Mathiasglocke; 840 kg; 1.150 mm;), g' (Michaelsglocke; 600 kg; 1.030 mm;), b' (ca. 350 kg, ca. 920 mm;). Gegossen wurden die Glocken von Engelbert Gebhard in Kempten. 1942 mussten die 4 großen Glocken ersatzlos abgeliefert werden.
 

Bereits 1950 kam in Treuchtlingen der Gedanke nach Ersatz auf. Der damalige Stadtpfarrer Färber stand in dieser Frage in intensivem Briefwechsel mit dem Bischöflichen Ordinariat in Eichstätt. Aus finanziellen Gründen kam kurz nach dem Krieg - und dazu auch noch relativ kurz nach Errichtung der Pfarrkirche und Beschaffung der ersten Glocken - nur der Ersatz der Glocken f' und g' in Frage. Von einer billigeren Lösung durch den Kauf von Euphon- oder gar Stahlglocken sah man glücklicherweise ab.
 

Seminarprofessor Johannes Schlick, der damalige Glockensachverständige des Bistums, bezeichnete die noch vorhandene Glocke b' in ihrem Ton als heulend und sehr schwankend; er gab seiner Verwunderungen darüber Ausdruck, dass diese Glocke 1933 überhaupt abgenommen worden ist. Nach dem Guss der neuen Glocken f' und g' im Januar 1951 zeichnete sich recht bald ab, dass die neuen Glocken wohl nicht zur vorhandenen b' passen würden, jedenfalls spricht man bereits vor der Montage der Glocken von einer möglichen Korrektur dieser Glocke. Daraufhin hat man sich wohl entschlossen die Glocke b' neu zu gießen; sie ist dazu evtl. eingeschmolzen worden. Dieser Sachverhalt lässt sich aber nach den vorhandenen Unterlagen nicht exakt rekonstruieren. Sicher ist jedenfalls, dass im Juli/August 1951 das Geläute in seiner jetzigen Form komplett war.

 

Zwei der derzeitigen Glocken:
 


 


 

ST ANTONI ORA PRO NOBIS

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ST MICHAEL ARCHANGELE

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Kirchenglocken – ganz allgemein

Kirchenglocken sind faszinierende und machtvolle Klangkörper – und sie sind neben der menschlichen Stimme und zusammen mit der Orgel die ältesten Musikinstrumente der christlichen Kirchen. Man kann zu ihrem Klang stehen, wie man will, aber man wird anerkennen müssen, dass die Glocken durch eben diesen Klang seit Jahrhunderten Städten, Dörfern und Landschaften eine deutlich vernehmbare und unverwechselbare musikalische Identität verliehen haben – und sie tun dies auch heute noch, in unserer betriebsamen, mit unzähligen Geräuschen übersäten Welt.

Glocken vermögen aber noch viel mehr: Ihr Ton ist geheimnisvoll, in seiner Wirkung überwältigend. Die Klangfülle dieser Instrumente kann Menschen berühren, will zwischen Himmel und Erde vermitteln. Läuten Glocken zum Gebet, so verbinden sie die betenden Zuhörer zu einer echten Gemeinschaft – zur Kirche.

 

Derzeitige Situation

(weiterer Auszug aus dem Gutachten von 2006)
 

Am 11. Januar 2006 habe ich (Thomas Winkelbauer) die Glockenanlage der Pfarrkirche Treuchtlingen inspiziert. Dabei sind mir folgende Punkte aufgefallen:

Das Geläute hängt in einem geräumigen Stahlglockenstuhl, der bereits stark korrodiert, so dass in absehbarer Zeit dringend Rostschutzmaßnahmen eingeleitet werden müssen. Der Stuhl wurde beim Einbau zwar vermutlich mit Rostschutzfarbe gestrichen, scheinbar aber erst im montierten Zustand.

 

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Der Schutzanstrich ist jedenfalls nur rein oberflächlich zu finden, alle innen, bzw. aufeinander liegenden Bauteile sind wohl nicht mit Farbe in Berührung gekommen. Gerade an diesen Stellen, die noch dazu zum Teil statisch sensibel sind, frisst der Rost nun munter vor sich hin. Zu finden sind bereits erste durch den Rost abgesprengte Nieten und Schraubverbindungen; auch erste Knotenpunkte sind durch die Sprengwirkung des Rostes verbogen. Besonders bedenklich ist der Zustand der Fußpunkte an dem dem Wetter am meisten ausgesetzten Ende des Glockenstuhls: Hier hat der Rost die gegenläufig verbundenen Winkeleisen von ursprünglich 4-5 mm  auf bis zu 8-9 mm aufgebogen. Dieser Bereich des Glockenstuhls muss daher verstärkt beobachtet werden und gegebenenfalls - sollte eine Sanierung nicht relativ bald in Angriff genommen werden können - von einem Statiker begutachtet werden.

Da dringend notwendige Rostschutzarbeiten, sollen sie auch Wirkung zeigen, sehr aufwändig, und damit mit hohen Kosten verbunden sind, ist es m. E. wesentlich sinnvoller, dieses Geld in einen neuen Holzglockenstuhl zu investieren, der dann für Generationen seinen Dienst tun wird.

(Auszug Gutachten Ende)

 

 

 

Glückliche Fügungen 2013:
 

Mehrere glückliche Fügungen ergaben nun folgende Situation:

 

Erste Fügung:

Ein anonymer Spender erklärte sich bereit, eine Glocke im Wert von ca. 20.000 € zu spenden, die Pfarrei habe nur alle Nebenkosten zu tragen.

Die Nachfrage bei der Diözese ergab ein eindeutiges NEIN für dein Einbau einer oder mehrerer weiteren Glocken in den vorhandenen stählernen Glockenstuhl.


Zweite Fügung:

Der Glockensachverständige Thomas Winkelbauer brachte uns Ende Mai die Kunde, dass er um eine Glocke in Arberg weiß, die klanglich genau zu unserem Geläute passen und die andernorts nicht mehr verwendet werden kann. Für diese Glocke kämen – außer dem Transport – keine Kosten auf uns zu.

 

Und dann kam es zur dritten Fügung:
Herr Winkelbauer berichtete von einer weiteren Glocke, die bereits gegossen seit einiger Zeit in einer Glockengießerei stehe und die nun verkauft werden solle. Hierfür müsse aber nur der reine Material- also Bronzepreis bezahlt werden. Dieser belaufe sich auf derzeit 17.000,- € plus Mehrwertssteuer, also 20230,- €. (Als Neuguss würde sie 35.000 plus MwSt. kosten)
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Herr Winkelbauer erstellte nun einen Kostenvoranschlag für die Neuanschaffung eines hölzernen Glockenstuhls für nunmehr fünf Glocken, inklusive den beiden neuen Glocken. Die Gesamtsumme belief sich auf 68.000,- €. Von Seiten der Diözese ist mit einem Zuschuss in Höhe von 24.000,- € zu rechnen. Abgezogen werden können noch verschiedene Eigenleistungen, die wir von Seiten der Pfarrei erbringen können. Verbleibt eine Rest-Summe von 44.000 €.
 

Daraufhin wurde in der Kirchenverwaltung die ganze Thematik neu überdacht. Durchaus bewusst ist allen, dass wir vor nicht allzu langer Zeit eine große Kirchen- und Orgelrenovierung für eine Gesamtsumme von rund 300.000 € gemeistert haben, hier noch ein Darlehen von rund 30.000 € offen steht, hierfür aber die Finanzierung aber auf festen Beinen steht.
 

Nach Berechnungen der laufenden Kosten der folgenden Jahre konnte dennoch  der Beschluss gefasst werden, das Projekt „Glockenstuhl Marienkirche“ in Angriff zu nehmen. Da beide neu zu beschaffenden Glocken bereits abholbereit waren, konnte eine Durchführung des Projekts sogar in absehbarer Nähe in Angriff genommen werden.

 

Diese absehbare Nähe hat sich am Montag, 30. Juli 2013 gezeigt, da an diesem Tag bereits die Arberger Glocke nach Treuchtlingen geholt wurde und nun im Innenhof des Pfarrhauses steht.

 


Die gebrauchte Glocke aus Arberg


Etwas später kam
auch die zweite Glocke in Treuchtlingen an.


Die neue Glocke
 

Natürlich wurde im Rahmen der Durchführung dieses Projektes auch die „Lärm“-"belästigung" der Nachbarn diskutiert. Mit dem Einbau des neuen Glockenstuhls, der auf der Seite zur Innenstadt hin errichtet worden ist, wurden auch neue Schallläden an den Öffnungen des Glockenturms angebracht, die den Schall der Glocken bewusst dämpfen und klanglich regeln.

 

Das neue Geläute wurde im Rahmen der Auferstehungsfeier zu Ostern 2015 feierlich in Betrieb genommen.

 

Ein Video des neuen Treuchtlinger Geläutes finden Sie unter folgendem Link:

 

https://www.youtube.com/watch?v=FG1yzHpsCHA